Aids

Welt-Aids-Tag: Immer noch kein wirksamer Impfstoff in Sicht

Dienstag, 01. Dez 2009, 14:48
Die Enttäuschung war groß, als im Oktober dieses Jahres klar wurde, dass der neu entwickelte HIV-Impfstoff doch nicht halten konnte, was man davon erwartet hatte. Ob man zumindest von einem ersten Durchbruch sprechen kann, wird sich erst erweisen.
Welt-Aids-Tag: Immer noch kein wirksamer Impfstoff in Sicht.

Welt-Aids-Tag: Immer noch kein wirksamer Impfstoff in Sicht.

Eine dreijährige Impfstudie in Thailand hatte ergeben, dass durch die Impfung mit einem Kombinationswirkstoff das Risiko einer Ansteckung um 30 Prozent geringer wurde. Doch die hochfliegenden Erwartungen wurden deutlich zurückgefahren. In einer Gruppe von 8.000 geimpften Personen wurden letztlich nur 20 Menschen weniger angesteckt als in einer Vergleichsgruppe, die mit Placebos behandelt worden war. Erschwerend kam dazu, dass der Impfstoff seine Wirkung nur kurze Zeit entfaltet hatte. Vor allem auch hatten die Macher der Studie keine Ahnung, worin die Wirksamkeit des Impfstoffes überhaupt besteht. Die Aidsforscher halten jedoch an ihrer Ansicht fest, dass immerhin ein bescheidener Anfang gemacht worden sei.

Schwieriger Gegner

Man fragt sich, was so schwierig und anderes an dem Virus ist, das die Immunschwäche Aids verursacht. Auf der ganzen Welt sind mehr als 33 Millionen Menschen infiziert, und die Therapieformen sind besser, wirksamer und vielfältiger geworden. Heilbar ist Aids immer noch nicht, doch Medikamente haben sich ständig verbessert. Nur was die Impfungen angeht, gibt es kaum Fortschritte. Warum das so ist, erklärt der Immunologe Georg Behrens. Das HI-Virus kann sich extrem schnell verändern und reagiert sofort auf alle Bemühungen des Immunsystems. “Gegen Grippeviren genügt es zum Beispiel, durch einen Impfstoff die Antikörper zu vermehren und sie so auszuschalten. An HI-Viren prallen Antikörper einfach ab.”

Starke Abwehr

Auf der Oberfläche des Virus gibt es eine wehrhafte Schicht, die aus Zuckermolekülen besteht. An dieser Schutzdecke haben Abwehrzellen und die Antikörper aus dem Impfstoff keine Chance. Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes ist allein deshalb schon schwierig. Das Virus ist auch deshalb besonders tückisch, weil es sich in Tausenden von Varianten ausprägt. Das Immunsystem ist eine sehr individuelle Sache, so dass eigentlich jeder Mensch einen eigenen, ganz persönlichen Impfstoff brauchen würde. “Vor diesem Hintergrund eine gemeinsame Basis für eine Impfung zu schaffen, die für möglichst viele Menschen wirkt, ist äußerst schwierig,” erklärt Georg Behrens.

Keine Ausrottung des Virus

Man hat sich inzwischen damit abgefunden, dass es wohl keine Impfung geben wird, die eine Infektion mit dem Aids-Virus völlig verhindert. Doch könnte eine Impfung die Ausbreitung von Viren verhindern, könnte weitere Ansteckungen durch einen Infizierten unterbinden. Der Immunologe von der Medizinischen Hochschule Hannover sieht es als großen Fortschritt an, wenn die Ansteckungen um 50 Prozent verringert werden könnten. Das wäre beispielsweise mit einem Impfstoff denkbar, der einzelne Komponenten des Virus zerstört. Für Menschen in Ländern mit einer hohen Ausbreitung der Krankheit wäre das bereits ein großer Erfolg.

Hoffnungsträger Genforschung

Vorrangig aber setzt der Immunologe Hoffnung auf eine neue Sichtweise, einen neuen Ansatz in der Aids-Forschung. In den Fokus geraten Ausnahmen bei den Krankheitsverläufen, aus denen die Wissenschaftler neue Erkenntnisse ziehen wollen. Es gibt weltweit ungefähr 1.000 Menschen, die sich mit dem Aids-Virus infiziert haben und ohne jede Behandlung oder Therapie völlig gesund sind. Das Erbgut dieser Menschen könnte den Schlüssel in sich tragen, eine Gemeinsamkeit, die es aufzudecken gilt. Das könnte, so die ungebrochene Hoffnung aller Forschenden, zu neuen Erkenntnissen und greifbaren Ergebnissen führe, und vielleicht auch zu einem Impfstoff.  




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