Ohne Krankenversicherung
Trotz Versicherungspflicht viele ohne Krankenversicherung
Montag, 03. Aug 2009, 06:30
Noch ist nicht jeder Deutsche krankenversichert.
Die Versicherungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) trat zum 01. April 2007 in Kraft. Für die private Krankenversicherung (PKV) galt die gleiche Verpflichtung erst zum 01. Januar 2009. Die Pflicht zur Krankenversicherung ist ein Teil des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes (GKV-WSG). Es gibt natürlich auch eine plausible Begründung für die Einführung der allgemeinen Versicherungspflicht. Der Gesetzgeber betont, es passe nicht zu einem fortschrittlichen und sozial orientierten Staat, wenn eine große Zahl von Menschen bei Krankheit keine Absicherung habe. Doch trotz der gesetzlichen Verpflichtung sind immerhin noch rund 45.000 Menschen in Deutschland ohne jede Krankenversicherung. Diese Zahl wurde vom Bundesgesundheitsministerium in Berlin bekannt gegeben.
Mehr Krankenversicherte
Die Gesundheitsreform hat die Zahlen der Nichtversicherten heftig in Bewegung gebracht. Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren vor der Reform ungefähr 211.000 Menschen ohne Krankenversicherung. Im ersten Jahr nach der Reform gab es nur noch halb so viele nicht krankenversicherte Menschen. Bis zum Februar 2008 haben sich ungefähr 100.000 Menschen bei den gesetzlichen Krankenkassen angemeldet, die vorher keiner Krankenversicherung angehörten. Weitere 40.000 schlossen sich bis zum jetzigen Zeitpunkt einer Krankenkasse an. Die privaten Krankenversicherer konnten sich über 26.000 neue Verträge freuen. Darunter waren 9.000 Menschen, die sich im neuen Basistarif versichert haben. Die Reform hat also dazu geführt, dass es insgesamt 166.000 Menschen mehr gibt, die nun bei einer Krankheit abgesichert sind.
Männer offensichtlich sorgloser
Der "Mikrozensus" ist die umfangreichste Befragung der Haushalte in Europa, die vom Statistischen Bundesamt durchgeführt wird. In jedem vierten Jahr werden zusätzlich Daten zur Krankenversicherung abgefragt. Nach diesen Angaben hat es offensichtlich vom Jahr 1999 ab eine Tendenz gegen eine Krankenversicherung gegeben. Die Gesundheitsreform 2007 hat diese Strömung wohl zum Stillstand gebracht, zumindest aber verlangsamt. 1999 gab es 145.000 Menschen ohne Krankenversicherung, 2003 waren es bereits 177.000, 2007 dann 211.000 Nichtversicherte. Der hohe Anstieg dieser Zahlen ging vor allen Dingen von den Männern aus. Die Anzahl der nicht krankenversicherten Männer belief sich im Jahr 1999 auf 79.000. Die Zahlen stiegen im Jahr 2003 auf 104.000. Im Reformjahr 2007 waren dann 142.000 Männer ohne Krankenversicherung. Allgemein gesehen rekrutierte sich die größte Gruppe der Menschen, die aus freien Stücken nicht krankenversichert waren, aus Selbständigen und deren mitarbeitenden Angehörigen.
Gewinn und zugleich Verlust
Die Gesundheitsreform hat – wie andere Neuregelungen auch - zwei Gesichter. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen wertet es als Erfolg, dass es nun mehr Menschen mit Versicherungsschutz bei Krankheit gibt. Doch der Verband macht auch deutlich, dass die Beitragszahlung für viele sehr problematisch ist. Nach den gesetzlichen Vorgaben müssen die Rückkehrer die Beiträge nachzahlen, die seit dem Beginn der Versicherungspflicht aufgelaufen sind. Die Krankenkassen waren wohl auch nicht sehr entgegenkommend, was die Möglichkeiten von Stundungen oder Ratenzahlungen angeht. Werden fällige Beiträge oder Nachzahlungen nicht gezahlt, so gibt es bei den gesetzlichen Krankenkassen zwar keine Kündigung, aber viele Ansprüche werden bis zur Zahlung ausgesetzt. Es besteht dann nur noch ein minimaler Schutz bei Schmerzen, Notfällen oder in der Schwangerschaft.






