Langes Leben

Sachverständigenrat: Langes Leben braucht bessere Medizin

Mittwoch, 01. Jul 2009, 06:30
Am 30. Juni hat der "Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen" der Gesundheitsministerin das Gutachten 2009 übergeben. Der Titel des Berichtes: "Koordination und Integration – Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens".
Längeres Leben als Aufgabe der Zukunft.

Längeres Leben als Aufgabe der Zukunft.

Der Titel ist Programm und Inhaltsangabe, denn die Tendenz der Nachfrage nach Gesundheitsleitungen geht steigt nach oben. Eberhard Wille ist der Vorsitzende des Sachverständigenrates. Er macht vor allem darauf aufmerksam, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2050 von aktuell 2,1 Millionen auf über vier Millionen jährlich anwachsen wird. Gleichzeitig verringert sich der Anteil der Menschen, die Pflegebedürftige versorgen können. Schon heute gibt es vorrangig in den östlichen Bundesländern und in einigen Großstädten zu wenig Ärzte. "Wir stellen mit Sorgen fest, dass es zu wenig Hausärzte gibt", sagen die Mitglieder des Sachverständigenrates. Vor allem sei zukünftig mehr Pflege gefragt, und die muss besser an die tatsächlichen Bedürfnisse angepasst werden. Es sind die Mängel in der Koordination, die eine gute medizinische und pflegerische Versorgung schon heute oft unmöglich machen.

Medikamente in der Diskussion

Schwere Fehler bemängelte der Sachverständigenrat, was die Versorgung mit Medikamenten für Kinder und ältere Menschen betrifft. Sie erhalten oft unnötig viele oder gefährlich kombinierte Arzneien. 40 Prozent der Frauen und 35 Prozent der Männer über 65 Jahre müssen ständig neun oder mehr Wirkstoffe als ständige Therapie zu sich nehmen. Die Neben- und Wechselwirkungen all dieser Mittel ist ein zentrales Problem. Es gibt keine Richtlinien, nach denen ältere Menschen mit Mehrfacherkrankungen behandelt werden können. Die Bedeutung dieser multiplen Erkrankungen wird immer weiter zunehmen. Die Wissenschaftler fordern Listen mit problematischen Medikamenten.

Zuwendung für Kinder und Jugendliche

Kinder werden offensichtlich in Deutschland insgesamt gesehen gut versorgt. Doch auch auf diesem Sektor kann noch einiges verbessert werden. Kinder bekommen zu viele Psychopharmaka und Antibiotika. Die wenigen Programme zur Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen arbeiten nicht immer optimal. Es gibt immer mehr Minderjährige mit dem ADHS-Syndrom, doch die Behandlung erfolgt viel zu oft einseitig nur mit Medikamenten. Therapieangebote sind offensichtlich rar. Nach den neuesten Zahlen haben bereits acht Prozent der Kinder das "Zappelphilipp-Syndrom". Statt Pillen müsste es alternative Hilfestellung geben, vielleicht sogar spezielle Sprechstunden für Kinder und Heranwachsende.

Mehr Zeit statt mehr Pillen

Eberhard Wille möchte ein "Zukunftskonzept" mit allen Beteiligten erstellen. Mediziner, Krankenhäuser und auch Apotheker sollten nach dem entstehenden Bedarf bezahlt werden. Die Entlohnung nach einzelnen Behandlungen und Diagnosen müsse der Vergangenheit angehören. Die Ärzte sollten an den gesunden Menschen und den Erfolgen ihrer Behandlungen verdienen, nicht an den Krankheiten und den Kranken. Der Sachverständigenrat will dazu beitragen, dass für die Patienten mehr Zeit zur Verfügung steht. Die Gesundheitsministerin will ebenfalls zu einer Verbesserung der Versorgung beitragen. Vor allem soll sich das Denken in alten, eingefahrenen Strukturen ändern. Die einzelnen Sektoren des Gesundheitswesens müssen zusammengeführt werden und fachübergreifend arbeiten. "Die Analysen und Empfehlungen des Rates werden uns helfen, das Gesundheitssystem besser auf die Bedürfnisse aller Generationen auszurichten."




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