Arzneimittel werden teurer
Preistreiber Pharmaindustrie: Arzneimittelausgaben steigen
Freitag, 26. Sep 2008, 15:41
Arzneimittel werden für Versicherte immer teurer.
Der "Arzneimittelverordnungs-Report 2008" bringt es an den Tag. Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) haben im Jahr 2007 28 Milliarden Euro für Arzneien ausgegeben. Das waren satte 6,7 Prozent mehr als im Vorjahr 2006. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres gab es bereits wieder Kostensteigerungen von 5,7 Prozent. Das ist mit Sicherheit nicht das Ende der Fahnenstange, denn auch 2009 wird es Mehrausgaben für Arzneimittel geben. Bei der Präsentation des Reportes beklagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt die nur zögerliche Umsetzung der Reformen und wollte neue gesetzliche Maßnahmen nicht ausschließen.
Sparmöglichkeiten allerorten
Die Herausgeber des Reportes, Ulrich Schwabe und Dieter Paffrath, sehen große Potenziale für Einsparungen. Konsequenterer Einsatz von Generika, der Verzicht auf patentgeschützte Analogpräparate und Medikamente mit umstrittenem Nutzen könnten die Ausgaben senken. Generika sind Nachahmerpräparate mit gleichem Wirkstoff, patentgeschützte Analogpräparate sind Medikamente mit unerheblichen Unterschieden zu bereits vorhandenen Arzneien. Außerdem sind besagte Generika in anderen europäischen Ländern sehr viel billiger als in Deutschland, so dass durch eine Absenkung der Preise auf europäisches Niveau noch einmal gespart werden kann. Insgesamt sehen die Herausgeber Sparmöglichkeiten zwischen 2,9 und 5,6 Milliarden Euro.
Pharmahersteller in der Kritik
Die Gesundheitsministerin sprach eine Warnung an die Pharmaindustrie aus. Die Einführung einer Kosten-Nutzen-Analyse steht an. Die Pharmaindustrie scheint diese Zeit zu nutzen, um die Preise in die Höhe zu treiben. "Der Gesetzgeber wird nicht zusehen, dass es hier Preistreiberei gibt zulasten der Versicherten", machte die Ministerin deutlich. Man könnte sich durchaus Preisvorschriften zur Regulierung vorstellen. Außerdem sind die Zulassungsmethoden für die Erstattung von Medikamentenkosten absolut diskutabel. In Deutschland wird bisher jedes Medikament nach Zulassung von den Krankenkassen bezahlt, ganz gleich wie viel es kostet. Andere europäische Länder gehen da viel rigoroser vor.
Rückzahlungen und Nutzennachweise
Das "Schweizer Modell" ist da ein gutes Beispiel. Pharmaunternehmen müssen die eingenommenen Gelder zurückzahlen, sollte sich nach der Zulassung eines Medikamentes ein Missverhältnis von Preis und Nutzen herausstellen. War der Preis zu hoch angesetzt, müssen die Gelder zurückgezahlt werden. Das würde die überhöhten Kosten für neue Arzneimittel wesentlich verringern und die Pharmafirmen zur Vorsicht veranlassen. Bereits seit langem sagen Forscher, dass die Preise für neue Medikamente viel zu hoch seien. Frau Schmidt steht solchen Modellen durchaus positiv gegenüber.
Einheitsbeitrag wird in die Höhe getrieben
Nun kann man mit einiger Überlegung schon behaupten, dass der Einheitsbeitrag für die gesetzlichen Krankenkassen emsig in die Höhe klettern wird. Zwei Milliarden zusätzliche Ausgaben für Medikamente, drei Milliarden mehr für die Krankenhäuser und mindestens 2,5 Milliarden Euro mehr für die niedergelassenen Ärzte – da wird die Schätzung der Vertreter der GKV realistisch. Wenn auch Mehreinnahmen aufgrund der positiven Lohn- und Gehaltsentwicklung einen guten Einfluss haben, so werden doch die Prognosen von einem Beitrag von 15,8 Prozent immer wahrscheinlicher.






