Praxisgebühr

Praxisgebühr bei jedem Arztbesuch?

Mittwoch, 10. Mai 2006, 16:46
Die Diskussion um eine Umwandlung der Praxisgebühr geht in eine neue Runde. Norbert Klusen, Vorstandschef der Techniker Krankenkasse, lehnt die Forderung nach der Einführung einer Arztgebühr von 5 € für jeden Arztbesuch strikt ab.
Ablehnung der neuen Vorschläge für die Praxisgebühr.

Ablehnung der neuen Vorschläge für die Praxisgebühr.

«Die heutige Praxisgebühr reicht aus», äußerte er gegenüber der «Leipziger Volkszeitung». Die Patienten hätten in den vergangenen Jahren immer mehr Belastungen gehabt, gab der Kassenchef zu bedenken. Er sei gegen eine Erhöhung der Praxisgebühr, denn dies träfe ja letztendlich auch nur kranke Menschen, die zum Arzt gehen müssten. Die Praxisgebühr, wie sie heute besteht, reiche aus, machte Klusen deutlich.Bei der neuen Gesundheitsreform müsse es zunächst nicht ums Geld, sondern um Strukturen gehen. Weiter kritisierte Klusen, dass seit 30 Jahren immer wieder neue Gesetze zur Kostendämpfung gemacht würden, ohne an den Strukturen etwas Durchgreifendes zu verändern.Im Gegensatz dazu schließt Jens Spahn, Gesundheitsexperte der CDU, die Einführung einer neuen Praxisgebühr von fünf Euro pro Arztbesuch nicht völlig aus. Spahn zufolge werde derzeit offen über alles diskutiert, schreibt der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Samstagsausgabe, entschieden sei jedoch noch nichts.Vergangenen Freitag hatte die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet, in der großen Koalition gebe es Überlegungen, die aktuelle Praxisgebühr von zehn Euro im Quartal durch eine neue Arztgebühr von fünf Euro pro Arztbesuch zu ersetzen. Das Bundesgesundheitsministerium hatte den Bericht wenig später als „Unsinn“ zurückgewiesen.

 

Anett Boehm meint:

am 12. Mai 2009 um 21:21

Mit Schrecken las ich den Artikel über die Pläne des KV Chef Nordhrein Westphalens, Herrn Leonhard Hansen, künftig pro Arztbesuch Gebühren zu verlangen. Als Arzhelferin in einer Frauenarztpraxis kann ich nur sagen, es wäre absolut unverantwortlich, so einen Beitrag einzuführen. Seit der Einführung der Praxisgebühr wurden die Praxismitarbeiterinnen aller Arztpraxen von heute auf morgen dazu bestimmt, die Praxisgebühren für die Krankenkassen einzutreiben. Wir alle bekommen diese Arbeit, welche - will man sie ordentlich erledigen - aufwendig ist, von niemandem vergütet und stehen noch für eventuell in der Hektik entstandene Differenzen gerade. Kein Praxischef kann es sich leisten, die Mehrarbeit, die dadurch entsteht, zusätzlich zu vergüten und die Krankenkassen zahlen uns auch nichts dafür, dass wir ihre Arbeit machen. Der Arzt hat keinerlei Vorteil davon, denn die eingenommenen Gebühren werden ihm ohne eine Gutschrift für die dafür notwendige Verwaltungsarbeit vom sowieso immer weniger werdenden Honorar bei steigenden Qualitätsanforderungen abgezogen. Die neuerlichen Pläne würden für noch mehr Praxispleiten sorgen, tausende Arzthelferinnen würden auf Strasse stehen und für die Versorgung unserer Patienten hätten solche Pläne unabsehbare Folgen.
Es gibt genug Menschen in diesem Land, welche schon die 10,-Euro Praxisgebühr im Quartal und die zahlreichen anderen "versteckten" Zuzahlungen, wie Rezeptgebühr, Medikament nicht mehr im Leistungskatalog der Krankenkasse enthalten, Zuzahlungen zu Hilfs- und Heilmitteln u.v.a.m. finanziell überfordern und die deshalb auf notwendige Arztbesuche verzichten. Ja es gibt die Chronikerregelung und die Belastungsgrenze für Zuzahlungen, jedoch für jemanden, der z.B. auf Hartz IV Niveau leben muß, für Wenigverdiener, Rentner, alleinstehende Personen oder alleinerziehende Eltern, die keinen Unterhalt vom Expartner bekommen usw., usw., usw. sind selbst 1% oder gar 2 % vom Bruttoeinkommen viel Geld, was woanders einfach fehlt. Als Chef der KV eines Bundeslandes ist Herr Hansen mit Sicherheit privatversichert, oder verdient zumindest so viel, um bequem all die seinen Mitmenschen abverlangten Zusatzbeiträge zahlen zu können. Ich hoffe, in diesem Land wird man in absehbarer Zeit zu der Erkenntnis gelangen, dass es besser wäre, auch die gesetzlich versicherten Patienten würden wie bei den Privatkassen schon lange üblich, pro Patient direkt mit dem Arzt abrechnen, allerdings so, dass die Kasse direkt an den Arzt zahlt, ohne den Umweg der Vorauszahlung durch die Patienten. Dann gäbe es keine KV mehr, die Unsummen an Geldern verbraucht für ihren umfangreichen Verwaltungsstab, bei dem z.B. nur um die einzelnen KV Verwaltungen zu verwalten, wahrscheinlich Millionen notwendig sind.
Herr Hansen und all die Damen und Herren, die in einer ähnlichen "Liga spielen" wären dann (hoffentlich) von Arbeitslosigkeit betroffen und würden nach 1 Jahr genau wie jeder andere Hartz IV Emfänger nur einen sehr geringen Betrag vom ersparten Geld behalten dürfen (was im Gegensatz zum Normalbürger noch nicht mal "sauer erspart" sein dürfte). Erst dann würden sie wissen, was es bedeutet, zu entscheiden ob ein Arztbesuch notwendig oder unnötig ist, bzw. ob sie es sich leisten können, zum Arzt zu gehen. Ich wünsche den Ärzten viel Kraft weiter durchzuhalten und für ihre Patienten da zu sein und uns Arzthelferinnen den Mut, den Patienten zu erklären, dass auch wir gegen die stets steigenen Gebühren sind. Den Patientinnen und Patienten möchte ich sagen: Wehrt Euch endlich Leute, wehrt Euch mit uns gemeinsam, nur wenn sich viele wehren, wird man aufhören immer mehr von "den kleinen Lichtern" zu fordern und nur viele Leute gemeinsam können etwas erreichen! Anett Böhm




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