gesetzliche Krankenkassen

Pharmaverband will Direktverträge mit Krankenkassen

Mittwoch, 24. Feb 2010, 12:06
Letzte Woche Donnerstag hat Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler die zu hohen Arzneimittelpreise in Deutschland kritisiert und forderte von Vertretern der Pharmaindustrie ihren Beitrag zu leisten, um das Gesundheitssystem kostengünstiger zu gestalten. Diese wiegelten erst ab, warnten vor einer „Verramschung“ von Arzneimitteln, scheinen nun aber doch einzulenken.
Durch die Direktverträge könnten Millionen eingespart werden.

Durch die Direktverträge könnten Millionen eingespart werden.

Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittel-Hersteller (vfa), gab am Freitag bekannt, die Pharmaindustrie möchte bei patentgeschützten Medikamenten künftig auf Direktverträge mit den Krankenkassen setzen. So soll bei Markteinführung eines neuen Medikaments der Hersteller nach wie vor den Preis frei bestimmen können und mit den einzelnen Krankenkassen in Verhandlungen über die Aufnahme in den Leistungskatalog treten. Sollten durch diese Direktverträge innerhalb von zwei Jahren mindestens 50% des Marktes abgedeckt werden, entfällt die Kosten-Nutzen-Bewertung. Ist dies nicht der Fall, tritt nach Ablauf der zwei Jahre das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf den Plan. Dieses ermittelt einen neuen und unabhängigeren Preis, der als Grundlage für den Erstattungshöchstbetrag des Spitzenverbandes „Bund der gesetzlichen Krankenversicherung“ dient.

Voraussetzung Kartellrecht

Die Direktverträge, die Pharmahersteller mit den Krankenkassen im vfa-Konzept schließen, sollten dezentral ausgehandelt werden. Dies ist die nötige Voraussetzung, damit das Wettbewerbs- und Kartellrecht auch auf den Kassensektor angewendet werden kann, wie es der Koalitionsvertrag zwischen FDP und Union vorsieht. Absprachen zwischen den einzelnen Krankenkassen sollen so vermieden werden.

Kritik am Vorschlag des vfa

Kritiker monieren am Vorschlag des vfa, dass auf diese Weise die Verhandlungsposition der Krankenkassen geschwächt wird, die Arzneimittelhersteller aber nach wie vor mit vermeintlich innovativen Produkten zwei Jahre Zeit haben, erhebliche Gewinne einzustreichen. So unterstreicht Florian Lanz, der Sprecher des Spitzenverbands der Krankenkassen: „Die Hersteller wirklich innovativer Arzneimittel müssen vor einer Kosten-Nutzen-Bewertung keine Angst haben, im Gegenteil.“

Kostenursache: Neue Medikamente

Hintergrund der Kritik ist, dass bei vielen neu eingeführten Medikamenten die pharmakologische Wirkung noch gar nicht abschätzbar ist. Mitunter steht der Verdacht im Raum, dass bewusst „alter Wein in neuen Schläuchen“ eingeschenkt wird und es bereits vergleichbare Arzneimittel zu einem günstigeren Preis auf dem Markt gibt.

Neuregulierung des Arzneimittelmarktes

Nach einem Gespräch zwischen Philipp Rösler und Cornelia Yzer vom vfa bezeichnete der Bundesgesundheitsminister die Preise für Arzneimittel in Deutschland als besonders hoch. Beide Seiten lobten aber die gute Gesprächsatmosphäre. Der vfa will nun bis Ende der Woche ein Methodenpapier zu den Direktverträgen entwickeln und dieses mit den Krankenkassen diskutieren. Seitens der Kassen wiederum wurden bereits eigene Vorschläge zur Neuregulierung des Arzneimittelmarktes entwickelt.




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