Krebsvorsorge

Krebskranken drohen höhere Zuzahlungen

Sonntag, 15. Okt 2006, 11:44
Auch für Krebspatienten soll die Gesundheitsreform deutlich höhere finanzielle Belastungen bringen. So sieht ein Gesetzentwurf vor, dass sich Frauen ab dem 20. Lebensjahr und Männer ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig der Krebsvorsorge unterziehen müssen, um bei einer späteren Krebserkrankung eine Zuzahlungsermäßigung beantragen zu können.
Finanzielle Belastungen für Krebskranke.

Finanzielle Belastungen für Krebskranke.

Geplant ist der Zeitschrift FOCUS zufolge, eine Regelung nach dem Vorbild des Bonusheftes beim Zahnarzt. Patienten, die vor einer Erkrankung nicht zu Vorsorgeuntersuchungen gegangen sind, müssen für Medikamente und weitere medizinische Mittel dann künftig mit Zuzahlungen von bis zu zwei Prozent des Einkommens rechnen.Bisher mussten maximal ein Prozent aufgewendet werden. In Zukunft soll eine maximale Belastung von einem Prozent gelten, wenn der Patient bestimmte Vorsorgemaßnahmen wahrnimmt. Wenn man Prävention fördern will, muss man Anreize geben“, sagte ein Ministeriumssprecher. Krankenkassen und Ärzte forderten dies seit Jahren. Weiterhin sagte er: „Keiner, der heute krebskrank ist, muss damit rechnen, mit einer Strafe belegt zu werden.“ Die zukünftige Regelung richtet sich daher vor allem auf das Bewusstsein der Menschen, gezielter vorzusorgen und mögliche Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Somit ist im Falle die beste medizinische Unterstützung, ohne erhöhten finanziellen Aufwand, garantiert.Indes gab es massive Kritik von Seiten der Experten. Der Vorsitzende der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK), Herbert Rebscher, bezeichnete die Pläne als „absolut grotesk und zynisch“. Krebserkrankungen seien ein schwerer Schicksalsschlag. Die Betroffenen und ihre Familien bräuchten nach einer solchen Diagnose alle Unterstützung und keine finanziellen Strafaktionen, sagte Rebscher der „Bild am Sonntag“. Der Präsident der deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, Gerhard Ehninger, kritisierte, dass Patienten mit einer extrem belastenden Krankheit durch die neue Regelung „finanziell diskriminiert“ würden.Die Kassenärztliche Bundesvereinigung lehnt erhöhte Zuzahlungen dagegen nicht grundsätzlich ab, denn viele vermeidbare Volkskrankheiten wie Diabetes könnten durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen reduziert werden. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die geplanten Zuzahlungsmodalitäten verteidigt. „Die vorgesehene Vorsorgeregelung ist sehr sinnvoll“, sagte Lauterbach der „Saarbrücker Zeitung“. Dies gelte allerdings nur für solche Erkrankungen, bei denen eine Vorsorge möglich ist. „Wo es keine Chance zur Vorsorge gebe, finde die Regelung auch keine Anwendung. Umgekehrt müssten die Patienten aber belohnt werden, wenn sie die Möglichkeit der Vorsorge nutzten. Genau das wird mit der Neuregelung bezweckt“, sagte der SPD-Politiker.




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