Arnzneimittelkosten
Krankenkassen wollen Preisgrenzen für neue Medikamente
Freitag, 26. Jun 2009, 06:30
Die Kosten für Medikamente sind enorm.
Der GKV-Spitzenverband will diese Preise einfach nicht mehr zahlen. Vorrangig für neu entwickelte Medikamente gegen schwere Krankheiten wie Krebs entwickeln sich die Kosten ganz enorm. Der Verband fordert eine gesetzliche Beschränkung der Verkaufspreise, die sogenannte "vierte Hürde". In diesem Zusammenhang bedeutet das die Überprüfung eines Medikamentes nach der Kosteneffektivität. Die ersten drei Hürden für die Arzneimittelzulassung sind die Kontrollen von Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität. Die Kostenbewertung würde als viertes Kriterium dazu kommen und damit letztlich über die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen entscheiden. Die von den Pharmaherstellern verlangten Preise kämen so auf den Prüfstand. "Den Preis kann nicht allein der Hersteller festlegen", sagte Johann-Magnus von Stackelberg, Vorstandsmitglied des GKV-Spitzenverbandes.
Rangliste durch die Hintertür
Es sollten auch Überlegungen für eine "krankheitsübergreifende Kosten-Nutzen-Analyse" angestellt werden. Das würde beispielsweise bedeuten, dass ein wirksames Medikament gegen Pickel von den Krankenkassen nicht mehr bezahlt wird, damit im Gegenzug genug Mittel zur Verfügung stehen, um Alzheimer oder Krebs zu bekämpfen. Damit wird die Diskussion um die Leistungsbeschränkungen in den gesetzlichen Krankenkassen wieder angeheizt. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe hatte bereits im Mai diesen Jahres für Aufregung und heftige Diskussionen gesorgt, als er eine Prioritätenliste zur Behandlung von Krankheiten vorschlug. Seiner umstrittenen Meinung nach sollten die Krankenkassen nur noch die Kosten für wichtige und gravierende Krankheiten übernehmen.
Neue Medikamente haben Monopol
Nun behauptet Johann-Magnus von Stackelberg: "Wir sind in der Priorisierung im Gemeinsamen Bundesausschuss schon lange drin." Dieses Gremium überprüft ständig den Leistungskatalog und passt ihn an die konkreten Verhältnisse an. Die Arzneimittelkosten steigen immer weiter. Für viele Medikamente, die anderen Arzneien in der Wirkung ähnlich sind, gibt es bereits Höchstpreise. Die Krankenkassen zahlen die Kosten nur bis zu dieser Höhe. Doch für neue Medikamente, die es in dieser Form noch nicht gibt, können die Hersteller wegen ihres Monopols jede Summe verlangen. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen den verlangten Preis direkt nach Zulassung des Medikamentes zahlen. Doch das soll nun ein Ende haben. Man will für solche Arzneien ebenfalls Preisgrenzen aufstellen, festgesetzt durch das Gesundheitsministerium.
Interessenkonflikte
Das gefällt natürlich den Herstellern nicht. Sie verteidigen ihre Preispolitik, denn die hohen Entwicklungskosten müssen während der Zeit des Patentschutzes ausgeglichen werden. Doch der GKV-Spitzenverband argumentiert von der anderen Seite her: Wenn denn tatsächlich ein hochwirksames Mittel gegen eine Volkskrankheit auf den Markt käme, so könnten die Kosten weit über die Möglichkeiten der GKV hinausgehen. Deshalb müssen die Kosten begrenzt werden. Es sei besser, so meint Verbandsvorstand von Stackelberg, wenn der Preis von einer Institution bestimmt würde, die eine demokratische Legitimation vorweisen kann. Natürlich sei es möglich, dass Hersteller nicht auf derartige Kostendämpfungen eingehen werden. So könnte die Gefahr bestehen, dass bestimmte Methoden und Medikamente für die gesetzlich Versicherten nicht zur Verfügung stehen. Da sei sorgfältige Güterabwägung unbedingt nötig, meint Herr von Stackelberg.
Kostenexplosion
Die Diskussion um die Arzneimittelkosten wird immer wieder durch alle möglichen Ereignisse angefacht. Das ist aber durchaus verständlich, denn beispielsweise wurden im Jahr 2008 mehr als 28 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben. Der Anteil der Medikamente mit Patentschutz, um die es bei der jetzt wieder losgetretenen Diskussion hauptsächlich geht, liegt bei weit über 56 Prozent.






