Forschung

Kampf dem Übergewicht: Fett hilft gegen Fett

Mittwoch, 02. Dez 2009, 17:05
Braunes Fettgewebe verbrennt Kalorien und produziert Wärme. Wissenschaftler der Universität Bonn spielen mit dem Gedanken, dieses gute Fett gegen das weiße unbeliebte Fett einzusetzen. Damit könnte es beim Abnehmen helfen.
Sport hilft im Kampf gegen die überflüssigen Kilos.

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Es gibt weißes Fettgewebe und braunes Fettgewebe. Beide erfüllen vollkommen verschiedene Funktionen. Während das weiße Fett als Energiespeicher funktioniert und vor Kälte isoliert, produziert das braune Fett Energie. Letzteres arbeitet nach Aussagen von Dr. Alexander Pfeifer von der Universität Bonn wie eine Art „Körperheizung“, die Kalorien verbrennt. Am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität hat man offenbar einen Weg gefunden, die Bildung der braunen Fettzellen anzuregen. Ziel weiterer Forschung könnte die gezielte Aktivierung des braunen Fettgewebes sein, um Übergewicht bald gezielt bekämpfen zu können.

Das braune Fettgewebe

Neugeborene besitzen das braune Fettgewebe besonders im Rücken- und Schulterbereich. Man nahm bis vor kurzem an, dass es nur bei Säuglingen vorkommt und während des Heranwachsens verschwindet. Dieses ist jedoch nach neuesten Erkenntnissen nicht der Fall, denn auch Erwachsene verfügen über braunes Fettgewebe in der Nackenregion. Dagegen ist die Menge besonders bei übergewichtigen Menschen minimal.

Körper verarbeitet Energie

Wichtig ist auch, dass das braune Fettgewebe nur aktiv wird, wenn man tiefen Temperaturen ausgesetzt wird, da es den Körper durch Energieproduktion vor Unterkühlung schützt. Es besitzt viele Mitochondrien, die neben vielen anderen Aufgaben auch zur Fettverbrennung dienen. Normale Körperzellen gewinnen auf diese Weise Energie für den Stoffwechsel. Die braunen Fettzellen hingegen nicht, denn bei ihnen wird die Energie nicht weiter genutzt, sondern verpufft als Wärme. “Das ist auch so gewollt”, sagte der Pharmakologe Professor Alexander Pfeifer vom Pharmazentrum Bonn. “Säuglinge etwa würden ohne diesen Mechanismus sehr schnell auskühlen”, so der Pharmakologe weiter.

Fett mit Fett bekämpfen

Fakt ist, dass sich die Zahl der braunen Fettzellen im Laufe des Lebens verringert. Diese Zellen verbrauchen Energie und somit Kalorien und wären somit eine Möglichkeit weiße Fettzellen verschwinden zu lassen. Alexander Pfeifer und seine Kollegen schreiben im Fachmagazin “Science Signaling”, dass bereits 50 Gramm braunes Fettgewebe ausreichen, um 5 Kilogramm weißes Fett im Jahr loszuwerden. Das weiße Fett ist es nämlich, das uns besonders am Bauch oder an den Hüften belastet. Pfeifer entdeckte zusammen mit einer Gruppe von Wissenschaftlern anderer deutscher Universitäten und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Weg, um die Produktion brauner Fettzellen anzuregen.

Die Forscher zeigten, dass dem Enzym Proteinkinase G (PKG) eine tragende Rolle bei der Bildung der genannten Zellen zukommt. Es steuert einen Signalweg, der dafür sorgt, dass sich die Zellen des Fettgewebes in braune Fettzellen umwandeln. Mit der Aktivierung des PKG-Signalweges lässt sich demnach Fett mit Fett bekämpfen. “Man müsste nun Wege finden, das Enzym PKG gezielt in braunem Fett zu aktivieren“, sagte Dr. Bodo Haas, Mitarbeiter in Pfeifers Team.  




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