Es geht los

Grünes Licht für die elektronische Gesundheitskarte

Montag, 21. Sep 2009, 06:30
Nach jahrelangem Streit und ständigen Verzögerungen ist es nun so weit: Am 01. Oktober 2009 startet die Auslieferung der neuen elektronischen Gesundheitskarte. Die Region Nordrhein macht den Anfang. Hier bekommen ungefähr neun Millionen Versicherte die neuen Gesundheitskarten.
Die neue Gesundheitskarte wird an Kassenpatienten ausgegeben.

Die neue Gesundheitskarte wird an Kassenpatienten ausgegeben.

Doch noch immer ist das neue elektronische Medium nicht allgemein akzeptiert. Aber am Einsatz der neuen Karte ist nichts mehr zu rütteln. "Es gibt kein Zurück mehr", versichert der Vorstand der Kassenärztlichern Vereinigung Nordrhein, Leonhard Hansen. Die Verantwortlichen versprechen sich viele Vorteile von der elektronischen Patientenkarte. Bald soll es keine auf Papier festgehaltenen Krankengeschichten mehr geben. Auch sollen die Kommunikationswege zwischen Arzt, Patient und Krankenhaus abgekürzt und transparenter gemacht werden. Allerdings werden noch viele Probleme zu bewältigen sein, bis all die möglichen Funktionen und Möglichkeiten der innovativen Versicherten-Karte genutzt werden können.

Teures Medium

Teuer wird sie sein, die neue e-Card. Die "Gematik" ist die Gesellschaft, die für Aufbau, Funktionalität und Datensicherheit der e-Card zuständig ist. Sie gibt die möglichen Kosten mit bis zu 1,6 Milliarden Euro an. Doch es sind auch durchaus höhere Zahlen im Umlauf. Vor allem sind es die Mediziner, die wenig Bereitschaft zeigen, das neue Medium in allen Funktionen zu nutzen. Leonhard Hansen geht davon aus, dass bis Mitte des laufenden Monats lediglich 35 Prozent der ärztlichen Praxen das neue Lesegerät installiert haben, das für die Arbeit mit der elektronischen Karte Voraussetzung ist. Bis Ende Oktober übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen noch die Kosten für das Lesegerät und die Installation, immerhin rund 1000 Euro.

Vorerst nur Sparversion

Rein optisch fällt sofort ein gravierender Unterschied zu der herkömmlichen Versicherten-Karte auf. Es ist das Konterfei des Versicherten, dass die Karte vor Fälschungen und Missbrauch schützen soll. Große neue Fähigkeiten hat die e-Card aber vorerst noch nicht. Sie enthält die grundsätzlichen Daten des Versicherten. Allerdings gibt es auf der rückwärtigen Seite den europäischen Krankenversicherungsschein. Noch ist die Online-Nutzung der Karte noch keine Realität. Nach allgemeiner Ansicht wird das frühestens im nächsten Jahr möglich sein. Erst dann werden die vielfältigen Möglichkeiten der Karte anwendbar sein. Das elektronische Rezept wird zur Pflicht gemacht, aber die weiteren Anwendungen sind freiwillig und liegen ganz im Ermessen des Patienten.

Widerstand der Ärzte

Der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs, hält die neue Karte für notwendig und sinnvoll. Er verlangt, dass die Ärzte verpflichtet werden, die neue Karte und ihre Funktionen einzusetzen. Wird das nicht realisiert, so wird es keinen großen Unterschied zur alten Versichertenkarte geben. Er appelliert an die Ärzte, damit sie die immer noch sehr verbreitete Blockadehaltung aufgeben. "Die Zukunft ist, dass es eine elektronische Krankenakte gibt." Unzureichender Datenschutz ist für Jacobs nur ein Scheinargument. "Vielleicht wird das ärztliche Handeln dadurch auch mal transparenter."

Keine Chance für Skeptiker

Auch Leonhard Hansen sieht die Souveränität beim Patienten. Der ist und bleibt "Herr des Verfahrens". Der Zugriff auf die sensiblen Daten wird nur mit der Zustimmung des Patienten möglich sein. Die Online-Anbindung soll vieles verbessern und vereinfachen. So können der Wechsel der Krankenkasse oder die Änderung von persönlichen Daten problemloser geschehen, weil nicht unbedingt eine neue Karte ausgestellt werden muss. Die Versicherten haben allen Umfragen zufolge kaum Probleme mit der neuen Karte. Es sind die Ärzte, die sich mit dem Anbruch des elektronischen Zeitalters schwer tun. Christiane Groß ist Vorstandsmitglied der Ärztekammer Nordrhein. "Die Ärzte fühlen sich noch nicht wirklich einbezogen", gibt sie zu bedenken. Viele Mediziner misstrauen der Datensicherheit, sehen das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gefährdet. Außerdem ziehen sie Parallelen zu den jüngsten Datenskandalen in einigen Unternehmen. Doch es scheint sicher: Die neue e-Card wird nicht aufzuhalten sein.




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