Internationale Studie
Gesundheitssystem im Vergleich: Viel Geld und wenig Zeit
Donnerstag, 20. Nov 2008, 11:40
Gesundheitssystem im Vergleich: Viel Geld und wenig Zeit.
Nach dieser Analyse können die Deutschen mit ihrer medizinischen Versorgung zufrieden sein, denn sie haben eines der weltweit besten Gesundheitssysteme. Nach den englischen und holländischen Patienten stehen die deutschen Versicherten an dritter Stelle beim Schutz gegen private Zuzahlungen. Auch was die Versorgung im Notfall angeht, stehen die Deutschen mit den Niederländern ganz vorn in der Rangordnung. Doch natürlich gibt es auch negative Aspekte zu vermerken. So sind in den deutschen Landen die Medikamente besonders teuer, die Teuersten in ganz Europa. Und deutsche Mediziner und Medizinerinnen haben im europäischen Vergleich die wenigste Zeit für ihre Patienten.
Neue Besen kehren nicht immer gut
In Deutschland wurde vor 125 Jahren die erste allgemeine Krankenversicherung begründet. Noch heute zehren alle von dieser Einführung, und die Vorteile sind für jeden ersichtlich. Allerdings muss es heute darum gehen, das System zu sichern, und das nachhaltig und zukunftssicher. Der Leiter des IQWiG, Professor Dr. med. Peter Sawicki, sieht durchaus Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen. Quantitativ und qualitativ bessere Forschung, vor allem aber auch eine sehr viel kritischere Bewertung neuer Behandlungen vor ihrer allgemeinen Einführung. Der Zugang zu innovativen Entwicklungen und Therapien ist in Deutschland relativ einfach. Doch ob solche Neuerungen in jedem Fall besser sind als bewährte Therapieformen, bleibt oft dahingestellt. „ Nicht jede neue Technologie stellt notwendigerweise einen Fortschritt dar“, gibt Professor Sawicki zu bedenken.
Wenig Zeit für die Patienten
Deshalb sind für den Instituts-Leiter Testphasen zur praktischen Erprobung neuer Therapien und Behandlungen das geeignete Konzept. Darüber hinaus sieht er großen Bedarf an neutralen Informationen über verschiedene Behandlungsmethoden. Denn Patienten und Mediziner haben einfach ein Bedürfnis nach mehr Zeit, um die beste Therapieform für einen bestimmten Patienten in einer bestimmten Situation herauszufinden. Pro Praxisbesucher sind die deutschen Sprechzeiten um 30 Prozent kürzer als im europäischen Durchschnitt. Es sind die geringsten Zeiten in Europa. Trotzdem haben deutsche Ärzte längere Arbeitszeiten. Es muss nach Ansicht Professor Sawickis höher eingestuft und bewertet werden, wenn sich Ärzte mehr Zeit für ihre Patienten nehmen. Ebenso wichtig ist das Bemühen um konkrete und objektive Informationen über neue Forschungen.
Hohe Kosten und Fehler in der Behandlung
Die weiteren Ergebnisse: In Deutschland werden mehr rezeptfreie Arzneien konsumiert als anderswo, die Kosten für jegliche Medikamente sind hier am höchsten. Es wird verstärkt um die Senkung dieser Preise gehen müssen, soll ein qualitativ hochwertiges Gesundheitswesen für jedermann auch weiter erhalten werden. Ein weiteres Ergebnis: Falsch behandelt wird beileibe nicht nur in den Kliniken. Deshalb sollte die Sicherheit der Patienten auch außerhalb der Krankenhäuser einen hohen Stellenwert haben.






