Mammographie-Screening
Erste Bilanz: Drei Jahre Brustkebs-Reihenuntersuchungen
Donnerstag, 24. Sep 2009, 06:30
Immer mehr Frauen sind von Brustkrebs betroffen.
Im Jahr 2002 wurde von Bundestag und Bundesrat einmütig die Einführung eines Mammographie-Screenings beschlossen. Das Ziel dieser Untersuchungen soll eine frühzeitige Diagnose von Brustkrebs ermöglichen. Durch die rechtzeitige Entdeckung von Tumoren soll es durch schonende und effektivere Therapieansätze gelingen, die Sterblichkeit durch Brustkrebs zu senken. Die gesetzlichen Krankenkassen haben zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung die KoopG gegründet. Die Gemeinschaft soll zur besseren Zusammenarbeit, zur Sicherung der Qualität und Bewertung der Untersuchungen führen. Seit 2005 werden zehn Millionen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren im Turnus von zwei Jahren zu den Reihenuntersuchungen eingeladen. Alle gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Untersuchung.
Erstes Fazit positiv
Der erste Bewertungsbericht bescheinigt den Untersuchungen größere Effektivität. Nach den Auswertungen werden durch das Screening mehr kleine Tumore erkannt. Vor der Einführung des Screenings wurden 14 Prozent der Tumore bis zur Größe von zehn Millimetern erkannt, unter dem Screening waren es 30 Prozent. Bei über zwei Dritteln der diagnostizierten Karzinome waren die Lymphknoten noch ohne Befund. Vor Einführung der Untersuchungen konnte das nur bei 49 Prozent der Fälle festgestellt werden. Bei kleinen Tumoren, die noch nicht gestreut haben, bestehen daher sehr gute Heilungschancen. Auch können schonendere Therapieformen zum Einsatz kommen, die oft die Brust nicht zerstören. Dr. Karin Bock, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie Südwest, ist vom Sinn der Reihenuntersuchungen überzeugt. "Das ist ein deutlicher Gewinn für die Frauen."
Gefahren des Screenings
Doch es gibt auch negative Aspekte des Mammographie-Screenings. Schon im Jahr 2007 machte der G-BA-Vorsitzende Dr. Rainer Hess auf die durchaus vorhandenen Risiken bei den Untersuchungen aufmerksam. So müsse das Risiko der Strahlenbelastung beachtet werden. Schwerwiegende Folgen haben auch falsche Ergebnisse der Untersuchungen, ob nun in positiver oder negativer Hinsicht. Wenn ein positives Ergebnis falsch ist, glaubt sich die betroffene Frau in trügerischer Sicherheit. Ist ein negatives Ergebnis nicht korrekt, kommt es zu unsinnigen weiteren Untersuchungen, zu psychischen und physischen Problemen. Die schlechte und falsche Trefferquote ist noch immer ein großes Problem bei den Untersuchungen.
Ergebnisse nicht transparent
Die Kritiker der Reihenuntersuchungen sehen den im Grunde positiven Bericht eher skeptisch. Ob das flächendeckende Screening wirklich effizient ist, wird nicht deutlich. Aussagen über eine Rückführung der Sterblichkeit am Brustkrebs können erst nach zehn Jahren gemacht werden. Die Befürworter der Reihenuntersuchungen haben die Erwartung, dass die Sterblichkeit um 30 Prozent gesenkt werden kann. Doch es gibt kritisch eingestellte Epidemiologen und Sozialmediziner, die solche Zahlen für nicht korrekt, für unvollständig halten. Ohne Mammographie-Screening sterben vier von tausend Frauen an Brustkrebs, unter dem Screening sind es drei. Danach handelt es sich um eine Verbesserung von einem Promille.
Verschleierte Kosten?
Unter diesen Voraussetzung stellt sich die Frage nach den Kosten der Reihenuntersuchungen, über die sich in dem ersten Bewertungsbericht allerdings nichts finden lässt. Insgesamt sollen 94 Screening-Einheiten eingerichtet werden. Was nun genau Aufbau, Qualitätssicherung, Verwaltung und Diagnostik kosten, wird nicht deutlich. Auch gibt es keine genauen Zahlen darüber, ob es mehr Behandlungen durch die frühere Diagnose gibt. Auch auf die Frage, ob diese Therapien besser, effektiver und auf Grund der Früherkennung auch kostengünstiger sind, gibt der Bericht keine Antwort. Die Kosten werden nur grob geschätzt: Es geht dabei um mehrere hundert Millionen Euro jährlich. Ob nun auf Dauer solche Schätzungen zur Kosten-Nutzen-Analyse ausreichen, werden die Verantwortlichen im Gesundheitssystem beantworten müssen.






