Karten-Chaos
Elektronische Gesundheitskarte: Hürden abgebaut
Donnerstag, 05. Nov 2009, 15:24
Elektronische Gesundheitskarte: Hürden abgebaut
Die neue Regierungskoalition will eine Bestandsaufnahme des Projektes eGK, um Forschritt oder Probleme zu überprüfen. Deshalb hatten einige große gesetzliche Krankenkassen in der Region Nordrhein die Verteilung der Karten ausgesetzt. Dort sollten die ersten neuen Karten mit einem Bild von den jeweiligen Versicherten ausgeliefert werden. Philipp Rösler hat in seinem Brief gesagt, dass die Überprüfung nicht dazu führen sollte, die Verteilung der elektronischen Gesundheitskarten abzubrechen. Die Krankenkassen bleiben aber weiter skeptisch. Es gebe trotzdem noch “Restunklarheiten”, meinte der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs. Er erwartet eine klare Ansage, dass die eGK auch tatsächlich weiter politisch gewollt ist. Am heutigen Donnerstag wollen die gesetzlichen Krankenkassen eine gemeinsame Haltung beraten.
Energieschub für die eGK
Doris Pfeiffer ist die Chefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen. Sie sieht in der Bestandsaufnahme der Regierungskoalition eine gute Möglichkeit, “dem Projekt im Sinne einer guten und günstigen Versorgung neuen Schwung zu verleihen”. Das Verhältnis von Kosten und Nutzen müsse ausgewogen sein. Dazu sagte die Techniker Krankenkasse (TK), dass sich die bereits investierten Millionen nur dann lohnen, wenn die Daten der Patienten später auch online verarbeitet werden können. Viele Ärzte wehren sich gegen den Zwang zur Online-Anbindung.
Klarstellung
Mit seinem Schreiben äußert der Bundesgesundheitsminister Verständnis, dass der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Laumann eine allgemeine Verunsicherung in seinem Gebiet auf keinen Fall wollte. Deshalb stellt er klar, dass sich die Koalition von Beginn an einig war, “dass die Funktionen der bisherigen Krankenversichertenkarte von uns in keinerlei Hinsicht kritisch gesehen werden müssen”. Er äußerte die Hoffnung, damit die Sachlage klargestellt zu haben.
Es geht weiter
Das heißt, dass die eGK nach Plan zunächst ohne weitere Verzögerungen im Bezirk Nordrhein verteilt werden kann. Danach folgt die bundesweite Auslieferung. Denn bisher unterscheidet sich die neue Karte nicht so sehr von den alten Versichertenkarten. Die neue Karte hat ein Foto des Versicherten, ansonsten speichert sie genau wie die alte Karte nur die Stammdaten des Versicherten. Die elektronische Auswertung der Daten, Online-Verschickung der Patientendaten oder die elektronische Patientenakte sollen erst später kommen. Das Schreiben des Gesundheitsministers macht deutlich, dass die Koalition offensichtlich nicht das gesamte Projekt verwerfen will. Die Betreibergesellschaft “gematik” und die zögerliche Umsetzung des Projektes sollen wohl unter die Lupe genommen werden.
Alle verbreiten Optimismus
Die Ärzte, selbst Teil und Ursache der vielen Verzögerungen, sind nun positiv eingestellt. Zumindest macht das der Vorstand der Bundesärztekammer deutlich. Franz-Joseph Bartmann sagte, dass die Ausgabe der neuen Karten nicht aufgehalten werden dürfe. “Wir haben keine Alternative zur Karte.” Karl-Josef Laumann jedenfalls ist wohl durch die positive Entscheidung für die Basisversion der elektronischen Gesundheitskarte erleichtert. Nun sei die Planungssicherheit für alle Beteiligten wieder hergestellt. Auch die Industrie zeigte sich zufrieden. Der Verband “Bitkom”, Sprachrohr der Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche, machte das durch seinen Geschäftsführer Bernhard Rohleder deutlich: “Dem Start der Gesundheitskarte sollte jetzt nichts mehr im Wege stehen.”






