Suchtgefahr

Die Deutschen trinken zu viel Alkohol

Mittwoch, 28. Jul 2010, 13:40
Nun steht es eindeutig fest: Die Deutschen haben eine ungesunde Nähe zum Alkohol. Statistisch betrachtet trinkt jeder Bundesbürger in jedem Jahr zehn Liter reinen Alkohol. Das ist nach Einschätzung der Experten ganz eindeutig zu viel. Legt man einen entsprechenden Gesundheitsmaßstab an, so dürften es allerhöchstens drei Litern Alkohol pro Jahr sein.
Zu viel Alkohol erhöht das Krankheitsrisiko drastisch

Zu viel Alkohol erhöht das Krankheitsrisiko drastisch

Die jetzt ermittelten Zahlen bedeuten, dass jeder erwachsene Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren jährlich 12 Liter reinen Alkohol konsumiert. Das ist ein ausgesprochen schlechter Wert, stellt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) fest. Unbedenklich wäre lediglich etwa ein Viertel des tatsächlichen Konsums. “Wir trinken insgesamt zu viel Alkohol,“ sagt DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann. In der gesamten Welt stehen die Deutschen, was den Umgang mit dem Alkohol angeht, an fünfthöchster Stelle. Die Auswirkungen sind gravierend und alarmierend. In Deutschland gibt es 3,3 Millionen Menschen, die vom Alkohol abhängig sind. Abgesehen von den persönlichen Folgen und Problemen werden unter dem Einfluss von Alkohol 275.000 Straftaten begangen, passieren 20.000 Verkehrsunfälle in jedem Jahr.

Alkohol fördert Krebserkrankungen

Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Es gibt verschiedene Studien, bei denen die ermittelten Zahlen auch unterschiedlich sind. Doch ist unwidersprochen, dass die ärztliche und medizinische Behandlung von Alkoholkranken und die Folgekosten von alkoholbedingter Arbeitunfähigkeit rund 26 Milliarden Euro im Jahr ausmachen. Die Folgen für den einzelnen Menschen, der zu viel Alkohol konsumiert, sind kaum abzusehen. Der Alkoholforscher Professor Helmut K. Seitz macht auf entsprechende Untersuchungen aufmerksam. Danach sind in jedem Jahr 390.000 Krebserkrankungen weltweit auf übermäßigen und permanenten Alkoholkonsum zurückzuführen.

Gesundheit in Gefahr

Alkoholkonsumenten leben gefährlich. Der Wissenschaftler an der Universität Heidelberg macht die Gefahren deutlich. 50 Gramm reiner Alkohol entsprechen ungefähr einem halben Liter Wein. Wer an jedem Tag eine solche Menge an Alkohol zu sich nimmt, dessen Risiko auf eine Krebserkrankung des Mundes oder des Rachens ist doppelt bis dreifach so hoch. Bei einem Konsum von 80 Gramm Alkohol bestehe ein 18-mal höheres Risiko für eine Krebserkrankung der Speiseröhre. Das entspricht mehr als eine Flasche Wein oder mehr als drei große Biere.

Frauen und Jugendliche im Fokus

Große Risiken, so Professor Seitz, nehmen Frauen auf sich, die übermäßig dem Alkohol zusprechen. Frauen reagieren empfindlicher auf das Zellgift Alkohol. Bereits bei kleineren Mengen ab 18 Gramm täglich steigt das Risiko auf Brustkrebs deutlich an. Besonderes Augenmerk muss auch auf den Alkoholkonsum von Jugendlichen gelegt werden. Vor allem das Komatrinken sei bedenklich. Die sofortigen Folgen sind ersichtlich, doch könne man auch durchaus mit Spätschäden rechnen, so der Wissenschaftler.

Alkohol soll teurer werden

“Alkohol ist in Deutschland zu billig“, bemängelt Raphael Gaßmann. Für ihn ist diese Tatsache der entscheidende Grund für den hohen Alkoholkonsum. Eine zusätzliche staatliche Abgabe auf Alkohol sei nötig. Der Zugang zum Alkohol könnte so erschwert werden, vor allem für die stark gefährdeten Jugendlichen. Auch könnten die zusätzlichen Einnahmen in die Prävention und Therapiearbeit fließen. Vielleicht wäre es möglich, mit diesem Geld auch Präventionshinweise in den Medien als Gegengewicht zur Alkoholwerbung finanziert werden.

Stärkere Überprüfung der Gesetze  

Es ist für den DHS-Geschäftsführer auch bedenklich, dass Alkohol überall leicht zugänglich ist. Beim Verkauf an den Tankstellen würden geltende Vorschriften missachtet. Auch der Jugendschutz sei kaum gewährleistet. Die Gesetze seien zwar in Ordnung, doch die Umsetzung liegt doch sehr im Argen. Es wird immer noch zu viel Hochprozentiges an Jugendliche verkauft. Deshalb verlangt die DHS verstärkte Kontrollen.




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