111. Deutscher Ärztetag

Deutscher Ärztetag in Ulm beendet

Montag, 02. Jun 2008, 14:43
Der 111. Deutsche Ärztetag hat sich zum Abschluss zu wichtigen Themen der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung geäußert. Er forderte die Bundesregierung auf, „nachhaltige und ausreichende Finanzierungsmodelle für eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung der Bevölkerung vorzulegen“.
Forderung nach einer zukunftsfesten Gesunheitsversorgung.

Forderung nach einer zukunftsfesten Gesunheitsversorgung.

Die Delegierten des Ärztetages äußerten große Besorgnis um die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Die Sorge gilt vorrangig sozial und finanziell schlechter ausgerichteten Menschen. Die Mediziner befürchten die unmerkliche Aushöhlung der vertrauensvollen Beziehungen zwischen Arzt und Patient. Die hauptsächlichen Ursachen dafür sehen die Delegierten in der langsamen und versteckten Rationierung von Gesundheitsleistungen. Man befürchtet eine Ausweitung der „Wartelistenmedizin“ durch die Zerstörung von bewährten Strukturen in der Versorgung der Patienten.

Abschaffung der Praxisgebühr

Der Deutsche Ärztetag verlangt die Abschaffung der Praxisgebühr. Diese Gebühr hat nach Ansicht der Mediziner den bürokratischen Aufwand völlig sinnlos bei allen Beteiligten gesteigert. Es entstehen Kosten, die der Gesundheitsvorsorge nicht zuträglich sind. Zudem seien diese Gebühren eine Gefahr für schlechter gestellte Patienten. Oft genug verzichten gerade diese Bevölkerungsgruppen auf einen eigentlich erforderlichen Arztbesuch.

Praktisches Jahr der Medizinstudenten

Die Medizinstudenten leisten im praktischen Jahr einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur stationären Versorgung. Deshalb fordert der Ärztetag eine entsprechende Vergütung für dieses Jahr im Praktikum. Universitäten und Lehrkrankenhäuser müssten mit einer angemessenen Bezahlung zur Motivation der Studierenden beitragen, damit ihre zukünftige Mitarbeit bei der Versorgung der Patienten gesichert werden kann.

Abschiebung und Flugmedizin

Der Ärztetag erhob heftige Kritik gegen Überlegungen der Konferenz der Innenminister, die mit der Hilfe von Flugmedizinern die Flugtauglichkeit der Menschen feststellen wollen, die abgeschoben werden sollen. Das sei eher eine Sache der Allgemeinmediziner oder der Psychotherapeuten, bei denen diese Menschen in Behandlung gewesen seien. Flugmediziner sind Ärzte mit einer Zusatzausbildung, die das Flugpersonal regelmäßig untersuchen. Die Problematik von Asylanten, von Folter oder Vertreibung hat aber mit Flugmedizin nichts zu tun.

Statements zu Arzneimitteln

Es gibt einen Entwurf der EU-Kommission, der vorsieht, dass die pharmazeutische Industrie direkt mit Informationen über ihre Produkte an die Öffentlichkeit gehen darf. Die Industrie soll also Werbung betreiben können. Die Delegierten erteilten solchen Absichten eine klare Absage. Denn natürlich soll, will und muss die Industrie Gewinne erzielen. Industrielle Unternehmen sind weniger dem Gemeinwohl als vielmehr zur Gewinnmaximierung verpflichtet. Als Urheber objektiver und unverstellter Informationen ist die Pharmaindustrie in den Augen des Ärztetages denkbar ungeeignet. Das sei auch die Quintessenz einer Studie der Weltgesundheitsorganisation zu diesem Thema gewesen.Weiterhin waren die Delegierten der Meinung, dass die Offenlegung des Studiendesigns gesetzlich festgelegt werden sollte. Die gesamte Vorgehensweise während einer Arzneimittelstudie müsste demnach veröffentlicht werden. Gleiches soll für Anwendungsbeobachtungen zu Medikamenten gelten. Alle Betroffenen, ob nun Politiker, Mediziner oder Patienten, würden aus den Beobachtungsergebnisse großen Nutzen ziehen können.




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