Viele Arztbesuche

Bundesregierung will Praxisgebühr überarbeiten

Freitag, 22. Jan 2010, 15:46
Die Kritik an der Praxisgebühr wird zunehmend lauter. Auslöser ist eine Studie der Krankenkasse Barmer GEK. Demnach geht jeder Deutsche durchschnittlich 18,1 Mal im Jahr zum Arzt. Ob die Praxisgebühr abgeschafft wird, bleibt aber fraglich. Die Bundesregierung plant nur eine Anpassung.
Die Praxisgebühr hält offenbar nur wenige vom Arztbesuch ab.

Die Praxisgebühr hält offenbar nur wenige vom Arztbesuch ab.

Für Gesundheitsökonom Thomas Drabinski, vom Institut für Mikrodaten-Analyse ist die Praxisgebührt gescheitert. Sie hätte keine abschreckende Wirkung und überflüssige Arztbesuche könnten nicht wie zunächst erhofft, begrenzt werden, so Drabinski. Er forderte: Die Gebühr müsse abgeschafft werden! Auch der Vizepräsident der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, übte Kritik an der Praxisgebühr. Er sagte am Dienstag in Berlin, dass die Wirkung der Praxisgebühr fraglich sei und verwies auf die aktuelle Studie der Barmer GEK. Der Statistik zufolge werden in Deutschland Patienten doppelt so häufig behandelt, wie in anderen Industrieländern.

Kassen verdienen Milliarden

Die Praxisgebühr wurde 2004 durch die ehemalige Rot-Grüne Regierung im Rahmen der letzten Agenda beschlossen. Seither müssen Versicherte zehn Euro pro Arztbesuch in einem Quartal zahlen. Bei weiteren Arztbesuchen in diesem Zeitraum fällt keine Gebühr an, sofern eine Überweisung vorliegt. Durch die Praxisgebühr sollten unter anderem überflüssige Arztbesuche und Facharztbesuche ohne vorherige Konsultation des Hausarztes eingeschränkt werden, so dass die Kassen entlastet werden können. Die momentanen Einnahmen der Krankenkassen durch die Praxisgebühr betragen mittlerweile knapp zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Verbesserung statt Abschaffung

Die Barmer GEK sprach sich gegen die Abschaffung der Praxisgebühr aus: Wer für einen Verzicht plädieren würde, müsse auch beantworten können, wo das Geld dann herkommen solle, so ein Sprecher der Barmer GEK.

Auch die Bundesregierung plant keine gänzliche Auflösung der Praxisgebühr. Im Koalitionsvertrag ist lediglich eine Verbesserung der Praxisgebühr vorgesehen. Man werde die Gebühr in ein unbürokratisches Erhebungsverfahren überführen, heißt es dort. Über Details machte das Bundesgesundheitsministerium bisher noch keine Angaben

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) unterstützt die Pläne der neuen Regierung. Laut KBV-Chef Andreas Köhler seien etwa 48 Prozent der Patienten von der Praxisgebühr befreit, da deren Einkommen zu niedrig sei oder sie an einem Behandlungsprogramm für Hausärzte sowie chronisch Kranke teilnehmen würden. Der Kassenverband sprach sich dafür aus, einen Prozentsatz der Behandlungskosten, statt einen Pauschalbetrag von zehn Euro zu erheben. Zusätzlich solle eine Bemessungsgrenze für sozial Schwache eingeführt werden. Die besagten Summen sollten dann direkt von der Kasse, statt wie bisher von den Ärzten eingezogen werden.

Hausarztmodell muss gefördert werden

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach plädierte jedoch nicht für eine Überarbeitung sondern für die gänzliche Streichung der Praxisgebühr. Das Wegfallen der Einnahmen aus der Praxisgebühr könnte durch Einsparungen bei überteuerten Medikamenten aufgefangen werden, so Lauterbach. Zudem bräuchte man eine Hausarzt-Pflicht für den ersten Arztbesuch, denn dadurch könnten viele überflüssige Facharztbesuche vermieden werden, erklärte der SPD Politiker.




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