fragwürdige Kassenwerbung
Barmer Ersatzkasse erkauft Mitgliedertreue mit Prämie
Montag, 11. Aug 2008, 23:16
Die Barmer Ersatzkasse wirbt mit merkwürdigen Mitteln.
Nach Barmer Angaben erhalten ungefähr 25.000 Versicherte diese Pauschale, und zwar in einer maximalen Höhe von 220 Euro. Dafür verpflichten sie sich, bis zum Ende des nächsten Jahres Mitglied der Barmer zu bleiben und an Umfragen teilzunehmen. Für das Bundesversicherungsamt (BVA) ist das wettbewerbswidrig. Die Vizepräsidentin des Amtes sagte, dass diese Beraterverträge ganz sicher nicht im Interesse der Marktforschung abgeschlossen wurden, sondern schlicht und einfach die Versicherten mit einem Geld-Bonbon an die Krankenkasse binden wollen. "Damit verstieß die Barmer gegen die Grundsätze des fairen Wettbewerbs unter den gesetzlichen Krankenkassen", so Sylvia Bohlen-Schöning.
Einigung ohne Einsicht und ohne Gericht
Die Barmer hält die Einwände und Bedenken des Bundesversicherungsamtes für unbegründet. Trotzdem will die gesetzliche Krankenkasse das Programm ab Oktober diesen Jahres nicht fortführen. Das außergewöhnliche Marketingkonzept hat bei der Barmer Kosten Höhe von 3,7 Millionen Euro verursacht. Dagegen stehen die Einnahmen durch die Mitglieder, die ja nun weiter Beiträge zahlen. Die gesetzliche Krankenkasse bekommt auch Zuwendungen aus dem Risikostrukturfonds, so dass sich die Ausgaben auch aus diesem Grunde rechnen werden. Frau Bohlen-Schöning ist aber der Meinung, dass ein gutes Ergebnis erzielt worden sei. Trotz der Uneinsichtigkeit der Barmer wird das Programm ohne gerichtliches Verfahren zum Oktober diesen Jahres eingestellt. Vermutlich hat die Schützenhilfe des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen ein Übriges getan. Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes, bezeichnete es als eine zentrale Aufgabe der Kassenaufsichten, fairen Wettbewerb zwischen den Krankenkassen zu ermöglichen.
"Bleibeprämie" laut Barmer falsche Formulierung
Trotzdem wehrt sich die Barmer gegen die angeblichen „Bleibeprämien“. Es gehe nur darum, in wissenschaftlicher Manier die Gründe zu analysieren, warum Mitglieder Krankenkassen verlassen. Für den Vorstandsvorsitzenden Johannes Vöcking befindet sich die Maßnahme im Einklang mit Anregungen des BVA, intensivere Marktforschung zu betreiben. Nur aus diesem Grund seien die Mitglieder angesprochen worden. Er widersprach allen Vermutungen, dass vor allem besserverdienende Mitglieder mit hohen Beiträgen ausgewählt wurden. Das Programm laufe schlicht und einfach aus, zumal der Gesundheitsfonds zusätzlich Unwägbarkeiten in die Angelegenheit bringen würde.
Praktiken der Barmer machen Umfragen fragwürdig
Doch in den „Beraterverträgen“ zwischen der Barmer und den entsprechenden Mitgliedern steht nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" klipp und klar, dass der Berater sich verpflichtet, bis zum 31. Dezember 2009 an vier Befragungen der Barmer Ersatzkasse teilzunehmen. Als Aufwandsentschädigung gibt es eine Prämie zwischen 150 und 200 Euro. Sollte der Serviceberater die verlangten Auskünfte nicht geben, kann die Krankenkasse die Gelder zurückfordern. Mitglieder, die trotzdem in eine günstigere Krankenkasse gewechselt sind, mussten aber nicht in jedem Fall die Pauschale zurückzahlen. Die Barmer Ersatzkasse macht das an der Wirtschaftlichkeit solcher Rückforderungen fest.Der FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr bringt die Kritik an der Barmer auf den Punkt. Diese Serviceberaterverträge setzten die Ergebnisse von Befragungen von Versicherten ins Zwielicht. "Die Kassen haben häufig genug Ärzte und Apotheker kritisiert, die sich durch Beraterverträge an die Pharmaindustrie binden. Das fällt auf die Barmer zurück."






